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Geisterritter

Fesselnde Freundschafts- und Internatsgeschichte für Kinder ab 10 Jahren | Cornelia Funke

E-Book (EPUB)
2016 Dressler Verlag Gmbh
272 Seiten; ab 10 Jahre
ISBN: 978-3-86272-022-4

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Kurztext / Annotation
Jon Whitcroft hat es nicht leicht. Seine Mutter und ihr neuer Freund haben ihn auf ein Internat nach Salisbury geschickt: strömender Regen, dunkle Gemäuer und fremde Gesichter bestimmen seine Tage. Damit nicht genug! In der sechsten Nacht erscheinen urplötzlich drei Geister unter seinem Zimmerfenster und starren zu ihm hinauf. Zum Glück gibt es jemanden in Salisbury, der sich mit Geistern auskennt. Cornelia Funkes Bestseller 'Geisterritter' in neuer Ausstattung.

Cornelia Funke ist die international erfolgreichste und bekannteste deutsche Kinderbuchautorin. Heute lebt sie in Volterra, Italien, doch ihre Karriere als Autorin und Illustratorin begann in Hamburg. Nach einer Ausbildung zur Diplom-Pädagogin und einem anschließenden Grafik-Studium arbeitete sie als freischaffende Kinderbuchillustratorin. Da ihr die Geschichten, die sie bebilderte, nicht immer gefielen, fing sie selbst an zu schreiben. Zu ihren großen Erfolgen zählen die 'Drachenreiter'-Romane, die Reihe 'Die Wilden Hühner' und 'Herr der Diebe', mit dem sich Cornelia Funke auch international durchsetzte. Mit ihrer Tintenwelt-Trilogie und der Spiegelwelt-Serie eroberte Cornelia Funke weltweit die Bestsellerlisten. Über 60 Bücher hat Cornelia Funke mittlerweile geschrieben, die in mehr als 50 Sprachen erschienen sind. Zahlreiche Titel wie z.B. 'Hände weg von Mississippi', 'Herr der Diebe', 'Die Wilden Hühner' und 'Tintenherz' wurden verfilmt. Aber auch in Preisen und zahlreichen Auszeichnungen spiegeln sich ihre Beliebtheit und ihr Einfluss wider.

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

1 Abgeschoben

Ich war elf, als meine Mutter mich aufs Internat nach Salisbury schickte. Ja, zugegeben, sie hatte Tränen in den Augen, als sie mich zum Bahnhof brachte. Aber in den Zug setzte sie mich trotzdem.

»Dein Vater hätte sich so darüber gefreut, dass du zu seiner alten Schule gehst!«, sagte sie, während sie sich ein Lächeln auf die Lippen zwang, und der Vollbart klopfte mir so aufmunternd auf die Schulter, dass ich ihn dafür fast auf die Gleise geschubst hätte.

Der Vollbart ... meine Schwestern waren ihm gleich auf den Schoß geklettert, als meine Mutter ihn zum ersten Mal mit nach Hause brachte, aber ich erklärte ihm den Krieg, sobald er seinen Arm um Mams Schulter legte. Mein Vater war gestorben, als ich vier war, und natürlich vermisste ich ihn, auch wenn ich mich kaum an ihn erinnerte. Aber das hieß nicht, dass ich einen neuen wollte, schon gar nicht einen unrasierten Zahnarzt. Ich war der Mann im Haus gewesen, der Held meiner Schwestern, der Augapfel meiner Mutter. Aber plötzlich saß sie abends nicht mehr mit mir vor dem Fernseher, sondern ging mit dem Vollbart aus. Unser Hund, der jeden anderen vom Grundstück jagte, legte ihm Quietschespielzeuge vor die Füße, und meine Schwestern malten ihm riesige Herzen. »Aber er ist doch so nett, Jon!« Immer wieder musste ich mir das anhören. Nett. Was war nett an ihm? Er überzeugte meine Mutter, dass alles, was mir schmeckte, schlecht für mich war und dass ich zu viel fernsah.

Ich versuchte alles, um ihn loszuwerden. Ich ließ ein Dutzend Mal den Hausschlüssel verschwinden, den Mam ihm gegeben hatte, goss Cola auf seine Zahnarzt-Zeitschriften (ja, so was gibt's) und mischte ihm Juckpulver in das Mundwasser, das er ständig anpries. Alles umsonst. Mam setzte nicht ihn, sondern mich in den Zug. Unterschätz niemals deine Feinde!, würde Longspee mir später beibringen. Aber leider war ich ihm damals noch nicht begegnet.

Wahrscheinlich wurde meine Verbannung beschlossen, nachdem ich meine kleine Schwester überredet hatte, ihren Babybrei in seine Schuhe zu löffeln. Vielleicht war auch der Terroristen-Steckbrief schuld, in den ich sein Foto montierte. Was auch immer ... ich hätte meine Videospiele darauf verwettet, dass der Vollbart die Idee mit dem Internat hatte - auch wenn meine Mutter es bis heute bestreitet.

Mam bot natürlich an, mich persönlich bei meiner neuen Schule abzuliefern und ein paar Tage in Salisbury zu bleiben - »bis du dich eingewöhnt hast« -, aber ich lehnte ab. Ich war sicher, dass sie nur ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollte, weil sie vorhatte, mit dem Vollbart nach Spanien zu fliegen, während ich mich mutterseelenallein mit wildfremden Lehrern, schlechtem Internatsessen und neuen Mitschülern herumschlug, von denen die meisten bestimmt stärker und wesentlich klüger als ich sein würden. Ich hatte noch nie mehr als ein Wochenende ohne meine Familie verbracht. Ich schlief nicht gern in anderen Betten, und ich wollte ganz bestimmt nicht in einer Stadt zur Schule gehen, die mehr als tausend Jahre alt und auch noch stolz darauf war. Meine achtjährige Schwester hätte zu gern mit mir getauscht. Seit sie Harry Potter las, wollte sie unbedingt auf ein Internat. Aber ich träumte von Kindern in abscheulichen Schuluniformen, die in finsteren Sälen vor Schüsseln mit wässrigem Porridge saßen und von Lehrern mit meterlangen Stöcken bewacht wurden.

Auf dem Weg zum Bahnhof sprach ich kein einziges Wort. Ich gab meiner Mutter nicht mal einen Abschiedskuss, als sie mir den Koffer in den Zug hob, aus Angst, ich könnte mich vor dem Vollbart in ein kindisch schluchzendes Etwas verwandeln. Die Zugfahrt verbrachte ich damit, Erpresserbriefe aus Zeitungsschnipseln zusammenzukleben, die dem Vollbart einen abscheulichen Tod androhten, falls er meine Mutter nicht in Ruhe ließ. Der alte Mann, der neben mir saß, musterte mich mit zunehmend alarmiertem Gesicht